Romantische Liebe wissenschaftlich erforschen?

Letzte Woche flatterte folgende kurze Meldung durch die Gazetten:

„Wissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg wollen dem Gefühl der Liebe auf den Grund gehen. Unter dem Motto „Romantic Love“ soll das Phänomen in all seinen Ausprägungen psychometrisch, durch funktionelle Bildgebung und molekularbiologisch erforscht werden, so die Hochschule. Dafür werden noch Frauen und Männer zwischen 18 bis 40 Jahren gesucht. Einige Teilnehmer werden neben einer Befragung außerdem in einer funktionellen Kernspintomografie untersucht.“ – RP ONLINE

Was man sich wohl davon verspricht? Ich liege gewiss nicht falsch mit der Vermutung, dass bei der Studie Ergebnisse heraus kommen werden, die wir alle längst kennen. Etwa, dass heftige Verliebtheit den Appetit verschlägt, bzw. dass der gesamte Zustand einer Neurose vergleichbar ist. Aber selbst, wenn wir eine Menge Neues darüber erfahren sollten, was in Hirn und Stoffwechsel vorgeht, wenn Menschen lieben – hieße dass wirklich, der Liebe „auf den Grund zu gehen“?

Der „Grund der Liebe“ lässt sich m.E. im Kernspin nicht erkennen. Denn Liebe hat keinen Grund, LIEBE IST!

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Lese-Tipp: Let’s talk about love – von Antje Schrupp

Damals an der SEX-FRONT – zum Tod von Günter Amendt

Mich hat es echt getroffen, zu lesen, dass Günter Amend am 12. im März als Fußgänger durch einen Autounfall ums Leben kam.  Sein knallig gelbes Buch „SEX FRONT“ hatte 1970 sehr zu einer ganz neuen lust-freundlichen Art der Aufkklärung beigetragen. Normale, für Jugendliche gut verständliche Sprache, jede Menge Details mit erläuternden Bildern – insgesamt ein herrlich lockerer, entspannter Umgang mit Sex, wie er bisher unbekannt war. Wer wie ich noch die im elterlichen Nachttisch versteckten Ehe-Ratgeber der 50ger-Jahre mitbekommen hat, weiß, was das für eine Revolution war!

Endlich keine verrückten Warnungen vor „Onanie“, keine hochmoralischen Ermahnungen Richtung Sex nur in der Ehe, keine verdrucksten Umschreibungen und keine Bienen-Vergleiche mehr, sondern praktische Tipps, die auf die Sorgen und Nöte der Jugend der 70ger eingingen. Es war eine richtige Erlösung vom Muff der 50ger und auch noch der 60ger-Jahre.

Über sein Leben und Werk der letzten Jahre schrieb DIE ZEIT:

„Zuletzt reizte ihn „das armselige Niveau, auf dem die drogenpolitische Debatte heute geführt wird, und die Ahnungslosigkeit, mit der eine neue Generation von Politikern und Auftragsforschern die längst gescheiterte Drogenpolitik noch immer rechtfertigt“, sein eigenes „Erfahrungswissen ins Spiel“ zu bringen. Die Legende vom LSD (2008) wurde wohl auch deshalb eines seiner persönlichsten Bücher, das sich nicht zuletzt als teilnahmsvolle Desillusionierungsgeschichte der sechziger Jahre lesen lässt. „

Das Buch werde ich mir zulegen!

Connection TANTRA – das Sonderheft fürs Wesentliche

TANTRA 88 - CoverWer meint, bei „TANTRA“ gehe es ausschließlich um die Kunst, während der sexuellen Vereinigung zu meditieren, kennt bei weitem nicht das ganze Spektrum dieser Praxis.  Dieser Unwissenheit setzt der Connection-Verlag einmal im Jahr ein Sonderheft entgegen, um die ganze Bandbreite der lange schon auch in westlichen Gesellschaften etablierten Lebens- und Liebeslehre zu zeigen.

Lust als Weg zur Transzendenz

Mit diesem anregenden Satz ist das aktuelle Heft (Jan – Juli 2011) überschrieben. Im Editorial heißt es dazu erläuternd: „Connection TANTRA – das Sonderheft fürs Wesentliche“ weiterlesen

EU verbietet Nacktbilder Erwachsener

Binnen zwei Jahren muss die neue EU-Richtlinie in allen Ländern umgesetzt werden, die ein Abbilden nackter Erwachsener verbietet, die ein Richter für minderjährig halten könnte.  Es ist diesselbe Richtlinie, die auch Netzsperren vorsieht. Zudem geht es nicht allein um Pornografie, also die Darstellung sexueller Handlungen, sondern um Abbildungen jeglicher Art, sofern „Nacktes“ gezeigt wird.

Beim „Pornoanwalt“ liest man die ganze Geschichte im Detail.  Vordergründig geht es um den Kampf gegen Kinderpornografie, doch werden in diesem Kampf Jugendliche den Kindern gleich gesetzt – etwas, wogegen sich Sexualwissenschaftler und auch Gerichte bisher mit Teil-Erfolgen wehrten.

Pornoanwalt schreibt:

„Damit droht ein grosser Teil der heute üblichen Standardpornografie kriminalisiert zu werden, ist doch „die visuelle Ununterscheidbarkeit von jungen Erwachsenen und gereiften Jugendlichen … die Regel“ (BVerfG 06.12.2008, 2 BvR 2369/08; 2 BvR 2380/08). Von so ziemlich jedem/r DarstellerIn bis etwa 25 kann unschwer behauptet werden, er/sie sehe aus wie 17 ½. Schließlich ist (lediglich) der Alterseindruck entscheidend, den die erkennenden RichterInnen haben.“

Rechtsanwalt Markus Kompa sieht Deutschland auf dem Weg zurück in die Adenauer-Zeit und prophezeit einen illegalen Markt für einen Großteil bisher konventioneller Pornographie. Schließlich können viele bis 25-Jährige von irgend jemandem noch für unter 18 gehalte werden – und wer will als Anbieter dieses Risiko dann noch eingehen? Es soll ja nichts nützen, konkrete Altersnachweise der Darsteller bereit zu stellen: allein der „Anschein“ der Minderjährigkeit soll für die Kriminalisierung genügen.

Auf Amy&Pink schreibt Marcel Winatschek:

Wenn die Europäische Union mit diesem abstrusen Vorhaben durchkommt und Deutschland mitzieht, wird unser Leben schon bald nur noch halb so sexy sein wie bisher. Ohne Gegenwehr schippern wir einer diktierten Zukunft entgegen, deren Führungskräfte, unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Pädophilie, tief in unser gesellschaftliches Leben eindringen, ohne auch nur einem gepeinigten Kind zu helfen.
Wir hoffen bei allem was uns heilig ist, dass dieser wirren Eigenwilligkeit schnellstens ein Riegel vorgeschoben und die Vernunft siegen wird. Denn ansonsten ist klar abzusehen, was für katastrophale Folgen ein Verbot von erotischen Darstellungen von Erwachsenen sowohl für die Digital-, als auch für die Printmedien haben wird. Ein neuer illegaler Markt wird sich auftun, die Aufklärungsliteratur findet sich in der Steinzeit wieder und die freie Entfaltung der eigenen Sexualität gerät zusehends in Bedrängnis.

Dem schließe ich mich einfach mal an.

Monogamie, Polyamorie, offene Beziehung?

BuchcoverZwar gilt noch immer das monogam lebende Paar als „meistgewünschte“ Beziehungsform, doch tatsächlich gelebt wird länger schon etwas anderes: Serielle Monogamie, Lebensabschnittspartnerschaften, jede Menge heimliche Seitensprünge – aber eben auch neue, offenere Beziehungungen, die Intimität mit Dritten nicht mehr grundsätzlich verbieten.

In seinem Buch Lob der offenen Beziehung – Über liebe, Sex, Vernunft und Glück“ bringt Oliver Schott eine ganze Reihe Argumente, die man gegen das „monogame Modell“ anführen kann. Er vertritt die Ansicht, dass Gefühl und Verstand, Verbindlichkeit und Freiheit sich nicht ausschließen müssen. Das monogame Liebesmodell beruhe auf Vorurteilen und beinhalte Zumutungen, die nicht nur aus hedonistischen, sondern auch aus ethischen Gründen kritikwürdig erscheinen. Ebenso kritisch betrachtet er auch Alternativen wie „Don’t ask, don’t tell“-Vereinbarungen, Swinger-Beziehungen und Polyamory.

Antje Schrupp hat dazu eine spannende Rezension mit eigenen Überlegungen geschrieben, die ich Euch gerne empfehle: In Scheinlösung Monogamie spürt sie den Gründen nach, warum sich das monogame Modell trotz seiner Irrationalität und den damit einher gehenden Konflikten immer noch hält. Im Resonanz-Beitrag über Monogamie und das Unbehagen an der Einsamkeit bin ich im Digital Diary auf ihre Gedanken eingegangen – wer mag, lese dort mehr!