Seitensprung

Sing and Swing - Von den Nöten eines Amtsrats

Marianne und ich sind jetzt 20 Jahre verheiratet und wenn Sie mich fragen, wie oft wir in dieser Zeit wohl fremdgegangen sind, dann kann ich in aller Aufrichtigkeit sagen: Nicht ein einziges Mal, ich nicht und Marianne nicht, … bis zu jenem Tag im letzten Oktober, über den ich Ihnen hier berichten will.

Unsere einzige Tochter Petra war im August in die USA geflogen, zum Schüleraustausch für ein Jahr, und so hatten wir wieder etwas mehr Zeit und Muße, uns unserer Beziehung zuzuwenden und - was soll ich sagen ? - wir haben beide festgestellt, dass der Dampf aus der Beziehung ein bisschen heraus war und dass wir beide schon über die Möglichkeit, etwas Abwechslung zu suchen, nachgedacht hatten. Jung genug für ein Abenteuer fühlten wir uns beide allemal, ich bin 45, Marianne 43, wir hatten seinerzeit gleich nach dem Abschluss unserer Ausbildung geheiratet … wir sind beide Steuerbeamte im gehobenen Dienst, wie das so schön heißt.

Tja und als wir uns dann auf die Suche nach etwas frischem Wind begeben haben, hat uns ein Kollege von Marianne auf ein Projekt des Bayerischen Beamtenbundes hingewiesen, das sich „Sing and Swing“ nennt. Zweimal im Jahr treffen sich Beamtinnen und Beamte aus ganz Deutschland in einem Hotel in der Fränkischen Schweiz zum organisierten Partnertausch. Die Teilnahmebedingungen sind – wie es sich für den öffentlichen Dienst gehört – in Allgemeinen Geschäftsbedingungen klar festgelegt: Es dürfen nur Paare teilnehmen, die beide im öffentlichen Dienst beschäftigt sind … eine Beurlaubung schadet allerdings nicht. Ein aktueller Aidstest wird ebenso verlangt wie ein Teilnehmerbeitrag von 350 Euro pro Nase, davon werden das Hotel und die Verpflegung bezahlt, der Überschuss geht an die „Hilfskasse bayerischer Beamter“, die damit in Not geratene Kollegen unterstützt, … im Vorstand des Bayerischen Beamtenbunds hatte man deshalb auch schon einmal etwas abschätzig von einem „Benefick“ gesprochen, der da zweimal im Jahr im Fränkischen stattfinde.

Organisator und Moderator der Veranstaltung, die inzwischen auf eine achtjährige Tradition zurückblicken kann, ist Verwaltungsdirektor Ludwig Heinzmann, seines Zeichens Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung in einer bayerischen Kreisstadt, deren Name ich vergessen habe. Seine Frau arbeitet in der Verwaltungsabteilung eines Münchener Museums.

Natürlich haben Marianne und ich ein paar Abende lang diskutiert, ob wir uns auf ein solches Experiment überhaupt einlassen sollen, in einen Swingerclub wären wir nie gegangen, denn wer weiß schon, auf was für Typen man dort trifft, bei „Sing and Swing“ dagegen können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sicher sein, dass sie unter ihresgleichen sind. Für uns beide hatte der Gedanke einen besonderen Reiz, einmal mit einer Kollegin bzw. einem Kollegen zu vögeln und dabei vielleicht eine neue Spielart der häufig zu Unrecht verhöhnten Beamtenerotik kennen zu lernen. Im Unterschied zu Swingerclubs, wie man sie aus dem Fernsehen oder dem Internet kennt, wird bei „Sing und Swing“ nicht anonym miteinander verkehrt, sondern jeder und jede weiß genau, mit wem sie durch die Betten hüpft und bei welcher Behörde er oder sie beschäftigt ist. Marianne und ich versprachen uns gegenseitig, dass wir keinesfalls mit dem Partner, dem wir dort näher kommen würden, eine Affäre beginnen wollten; vor allem Marianne hatte zunächst die Angst, sie könne mich dort eventuell an eine attraktive Beamtin aus einem anderen Bundesland verlieren, aber ich habe ihr dann klar machen können, dass schon die Anwesenheit des jeweils anderen Partners eine effektive Kontrolle darstellte, im Steuerrecht würde man von einer Art Vier-Augen-Prinzip sprechen.

Als Veranstaltungstag war – wie jedes Jahr – der Tag der deutschen Einheit festgelegt worden, was mir im Hinblick auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den neuen Bundesländern irgendwo angemessen erscheint, schließlich tragen auch Kontakte, wie sie da geknüpft werden, zur inneren Einheit des Vaterlandes bei.

Wir alle waren gebeten worden, gegen 16.00 Uhr im Hotel in der Fränkischen Schweiz einzutreffen, damit wir uns vor dem eigentlichen Prozedere noch bei einer kleinen Wanderung kennen lernen konnten. Tatsächlich fanden sich kurz vor 16.00 Uhr alle 26 Teilnehmer in der Empfangshalle des Hotels ein, alle pünktlich, wie es dem öffentlichen Dienst geziemt. Heinzmann hieß uns in kurzen Worten willkommen und verteilte gut lesbare Ansteckschildchen, auf denen unsere Namen und unsere Amtsbezeichnung vorgedruckt waren. Wir hefteten sie an unsere Pullover und Sakkos und gewannen auf diese Weise schnell einen Überblick, wer als möglicher Partner für die abendliche Vögelei in Betracht kam. Der besondere Reiz der Situation ergab sich daraus, dass wir alle wussten, dass letztlich das Los entscheiden würde, mit wem wir dann tatsächlich aufs Zimmer gehen würden.

Mir hatten es gleich auf den ersten Blick zwei jüngere Teilnehmerinnen angetan, die mit ihren Partnern aus Sachsen-Anhalt angereist waren. Obwohl die eine als Stadtoberinspektorin bei der Stadt Halle an der Saale und die andere beim Finanzministerium in Magdeburg beschäftigt war, waren sie offenbar befreundet und gemeinsam auf den Gedanken gekommen, an diesem Hochamt der Promiskuität teilzunehmen.

Marianne zeigte während unseres Spaziergangs immer wieder Interesse für einen stellvertretenden Landrat aus dem Saarland, obwohl ich – aus meiner unmaßgeblichen männlichen Sicht – die beiden hessischen Polizeibeamten für äußerlich attrakti-ver hielt. Aber da zeigte sich halt wieder einmal, dass Frauen sich eher nach dem Status eines Partners richten als nach seinem Äußeren, dachte ich. Ich selbst war vor diesem Hintergrund ganz froh, dass mein Anstecker deutlich auf meinen Status als Steueramtsrat in der Besoldungsgruppe A 12 hinwies, während trotz geschickt gewählter Kleidung mein Bauchansatz für die teilnehmenden Beamtinnen nicht ganz unsichtbar bleiben konnte.

Das Tempo der Wanderung war eher gemächlich und so fanden wir uns nach 8 Kilometern und zwei Stunden wieder im Hotel ein. Jedes Paar erhielt in der gegebenen Zusammensetzung eines der 13 gebuchten Doppelzimmer zugewiesen und konnte sich „frisch machen“. Für später war vorgesehen, dass die Damen in ihren „eigenen“ Gemächern verblieben, während die Herren zum Auswärtsspiel anzutreten hatten. Mit dieser Regel (übrigens der achten unter insgesamt 31 Regeln) sollte den Frauen die Möglichkeit gelassen werden, auch nach Beginn des eigentlichen Treibens ohne Mühe auf all jene Utensilien zurückgreifen zu können, die erforderlich sind, um ihren Liebreiz im gebotenen Maße zu steigern. Regel 17 sah übrigens vor, dass der Mann das Zimmer sofort zu verlassen hatte, wenn die Frau das Codewort „Oldenburg“ rief. Wie Heinzmann ausgerechnet auf „Oldenburg“ als Codewort gekommen war, verriet er uns nicht, allerdings wussten erfahrene Teilnehmer der vorangegangenen Veran-staltungen zu berichten, dass auch andere norddeutsche Städte wie Buxtehude, Hu-sum oder Braunschweig schon als Codewort herhalten mussten.

Um 19.00 Uhr fanden sich die Paare weisungsgemäß im Saal „Così fan tutte“ ein, alle Veranstaltungsräume des Vier-Sterne-Hotels waren nach Mozartopern benannt, bedauerlicherweise war es Heinzmann diesmal nicht gelungen, den Saal „Don Giovanni“ für „Sing and Swing“ zu reservieren, dort tagte der Weiterbildungsausschuss des bayerischen Bäckerhandwerks.

In „Così fan tutte“ erwartete uns ein Sektempfang und ein recht ansprechendes kaltes Buffet … bemerkenswert war aber vor allem die Veränderung in der Garderobe der Damen, die innert der letzten Stunde eingetreten war: Eine von mir im Stillen erstellte Statistik ergab, dass von den 13 anwesenden Beamtinnen bereits zu diesem Zeitpunkt fünf und damit 38 % keinen BH mehr trugen, sieben der 11 getragenen Röcke (und damit 63 %) erreichten das Knie ihrer Trägerinnen nicht, leider waren auch zwei Damen in Hosenanzügen zu sehen, beide kamen aus dem Bildungsbe-reich, was mich nicht überraschte.

Während ich den gereichten Sekt schlürfte und das ein oder andere Canapée zu mir nahm, erwischte ich mich, dass ich mir im Vorgriff auf die erst später benötigte Geilheit vorstellte, wie die anwesenden Beamtinnen wohl unbekleidet aussehen würden. Um ehrlich zu sein, trug diese Vorstellung nicht in allen Fällen zur Steigerung meiner Vorfreude bei. Auch bei Marianne stellte ich zunächst eine gewisse Nervosität fest, fast war ich geneigt anzunehmen, dass sie es kurzzeitig ein wenig bereute, sich auf dieses Spiel eingelassen zu haben. Ich ging allerdings davon aus, dass ihr die Aussicht auf ein Schäferstündchen mit dem stellvertretenden Landrat und das mittlerweile dritte Glas Sekt eine gewisse Beschwingtheit verliehen.

Nach etwas Small Talk und einer Rede von Heinzmann, in der er noch einmal auf den guten Zweck der Veranstaltung hinwies, näherte sich der erste wirkliche Höhepunkt des Abends: In einer Art Tombola wurden die Partner füreinander bestimmt. Dazu hatte Ludwig Heinzmann in ein Glasgefäß, das das Emblem des Deutschen Beamtenbundes zeigte, 13 hellblaue Briefumschläge gelegt, in denen sich offenbar unsere Namen befanden. Seine Frau hielt 13 rosarote Briefumschläge in der Hand, in denen sich wohl die Namen der teilnehmenden Beamtinnen befanden.

Die Magdeburger Ministerialbeamtin Regina Löbnitz wurde von Heinzmann als Glücksfee bestimmt und durfte jeweils die Männer ziehen; Heinzmann verlas zuvor, um welche der Damen es jeweils ging. Erster rosa Umschlag: Friederike, die Frau des stellvertretenden Landrats, stand zur Partnerwahl an. Sie selbst arbeitete als Angestellte am Saarländischen Oberlandesgericht und erhielt nun … dank der geschickten Hand der Magdeburger Glücksfee … einen niedersächsischen Fachhochschulprofessor zugelost. Beide Partner gingen aufeinander zu, tauschten scheu zwei Küsse aus und nahmen – wie Heinzmann es zuvor erklärt hatte – am Tisch Nummer 1 Platz. Weitere Losvorgänge folgten, schon im sechsten rosafarbenen Umschlag fand sich der Name meiner Frau und wir verfolgten mit einer gewissen Spannung, wen Regina ihr zulosen würde. Den stellvertretenden Landrat hätte ich ihr innerlich gegönnt, aber das Los fiel auf einen der beiden hessischen Polizeibeamten, Kriminaloberkommissar Moritz Börner, der mir jetzt bei näherer Betrachtung noch besser gewachsen erschien, deutlich jünger als ich war er auch und ich war alles andere als beruhigt, als meine Frau mit ihm am Tisch 6 Platz nahm. Ein wenig Aufregung in den Losvorgang brachte das achte Los, als die Beamtin aus Halle an der Saale durch Lospech ihren eigenen Ehemann erwischte; sofort griff Heinzmann ein und wies auf Regel 4 b wie Berta hin, die vorsah, dass in einem solchen Falle die Verlosung zu wiederholen sei, es wäre ja schließlich kaum zu vertreten, dass ein Beamter 350 Euro für den Vollzug des Beischlafs mit seiner eigenen Frau bezahlen müsste (ein Ge-danke, der dem Steuerrecht nicht ganz fremd ist). Beim zweiten Mal ging es gut und ich selbst musste bis zum letzten Umschlag warten, wer meine Partnerin würde. Im vorletzten Umschlag befand sich die sehr gut aussehende Regina Löbnitz, also die Glücksfee selbst, auf die ich schon seit dem Nachmittag spekuliert hatte, aber sie ging an den Moderator Heinzmann. Ich dagegen bekam Oberstudienrätin Marlies Fernau aus Soest in Westfalen zugelost, die mir wegen ihres Hosenanzugs schon zuvor unangenehm aufgefallen war. Marlies kam auf mich zu, wir gaben uns die obligatorischen Küsse und setzten uns an den Platz 13, um eine kleine Konversation zu beginnen.

Da ich mit ihr mangels Gelegenheit und ein wenig auch mangels Interesse den ganzen Nachmittag noch nicht gesprochen hatte, hätten wir eigentlich genug Gesprächsstoff gehabt; meine Gedanken schweiften jedoch immer wieder zu meiner Frau Marianne, die sich an Tisch 6 zunehmend angeregt mit dem jungen Kriminalbeamten unterhielt. Das war der Moment, als sich mir zum ersten Mal die Frage aufdrängte, ob es eine gute Entscheidung war, hier teilzunehmen. Als ich Marlies Fernau fragte, wie sie zu der Veranstaltung gekommen sei, erfuhr ich, dass es sich bei der Teilnahme für sie und ihren Mann um ein Geschenk ihrer Kollegen zu ihrem 25-jährigen Dienstjubiläum gehandelt habe. Marlies war zwar erst 44 Jahre alt, aber in Nordrhein-Westfalen werden die Studienjahre bei der Berechnung des Jubiläumsdienstalters mitgezählt. Ihr Mann Peter war ebenfalls Lehrer am Soester Gymnasium, er unterrichtete Geschichte und Deutsch, während Marlies Englisch und Französisch lehrte. Die Assoziation, die sich mir bei Nennung ihrer Fächer aufdrängte, sollte sich im weiteren Verlauf des Abends als nicht gerechtfertigt erweisen.

Das weitere Gespräch, bei dem ich immer wieder an Marianne und ihren Polizisten denken musste, drehte sich in der Folgezeit vor allem um Peter, den Marlies bewunderte und verehrte und der sich offenbar auch in der Liebe über viele Jahre mit begnadetem Geschick in den Körper und das Herz von Marlies eingebracht hatte, ich sollte in der Folgezeit noch einige Details erfahren.

Damit sich die Paare allmählich näher kommen konnten und die Veranstaltung ihrem Titel „Sing and Swing“ wirklich Rechnung trug, spielte nunmehr eine Zwei-Mann-Band mit Hammondorgel und Schlagzeug zum Tanz auf, das Repertoire reichte von den deutschen Schlagern der 50er-Jahre („Mutti, du darfst doch nicht weinen …“) bis hin zu modernen Liedchen von Yvonne Catterfeld oder Andrea Berg („Die Gefühle haben Schweigepflicht …“). Es überwogen eindeutig die langsamen Titel, um den Paaren Gelegenheit zur gepflegten Annäherung zu geben. Geschmackvollerweise hatte Heinzmann zwei offenkundig schwule Alleinunterhalter engagiert, um Interferenzen zwischen den beiden jungen Herrn und ihrem offenkundig immer geiler werdenden Beamtenpublikum von vorneherein auszuschließen.

Meine Sorgen, ob Marianne mir im Herzen treu bleiben würde, wuchsen mehr und mehr, als ich sah, dass sie an einen ausgezeichneten Tänzer geraten war: Der Kriminaloberkommissar wirbelte mit Marianne durch den Saal, wie sie es, jedenfalls seit sie mit mir zusammen war, nicht erlebt hatte. Meine eigenen Tanzkenntnisse waren und sind bescheiden, was Marlies Fernau mit einer gewissen Güte zur Kenntnis nahm. Sie verzichtete auf direkte Kritik, griff allerdings nach etwa einer halben Stunde für eine Folge von schnelleren Tänzen auf ihren Mann Peter zurück, was ich ihr nur begrenzt übel nahm, obwohl ich dadurch ziemlich belämmert allein am Tisch 13 zurückblieb. Immerhin kehrte sie nach den schnellen Tänzen regelgerecht zu mir an den Tisch zurück: Peter gab sie bei mir ab und grüßte mich dabei mit leicht überheblicher Freundlichkeit. Ich glaube, er gönnte mir Marlies.

Wir näherten uns dem ominösen Zeitpunkt 22.15 Uhr, zu dem sich – so die Anordnung des Moderators – die Paare auf ihre Zimmer zurückziehen sollten. Ab 23.45 Uhr sollte dann ein Mitternachtsbuffet auf die Rückkehr der vom Liebesspiel ausgelaugten Beamtinnen und Beamten warten. Während ich mir schon ein wenig Sorgen machte, mit welchen Kunststückchen ich Marlies und mir wohl die bevorstehenden 90 Minuten verkürzen könnte, zeigte sich Marianne, die ich natürlich immer wieder beobachtete, zunehmend ausgelassen. Kaum hatte der Moderator mit einem lauten Gong verkündet, dass nunmehr der Höhepunkt des Abends gekommen sei, schnappte sie ihren Polizisten bei der Hand und schleifte ihn auf das Zimmer, das Marianne und ich um 18.00 Uhr bezogen hatte und in dem dieser hessische Eintänzer sich nunmehr über meine Frau hermachen würde. Jahrelang war ich stolz darauf gewesen, dass Eifersucht in unserer Ehe nie ein Thema war und ich in vielen Stresssituationen gelassen bleiben konnte, jetzt aber zeigten mir meine verschiedenen Drüsen, wo der Barthel den Most oder besser gesagt das Adrenalin holt.

Auch um mich abzulenken, wandte ich mich Marlies zu, die pflichtgemäß darauf wartete, mich in Vollzug ihres Jubiläumsgeschenkes zu vernaschen. Ich folgte ihr ins Zimmer 134 in der ersten Etage, wo sie zusammen mit ihrem Hosenanzug eine gewisse Scheu ablegte und sich mit geübtem Griff über meinen Inspektorenschwanz hermachte, der dadurch an Größe und Ausstrahlung gewann. Meinen Antrag, ihr ausgesprochen schön anzusehendes kleines Paradies ein wenig lecken zu dürfen, beschied sie abschlägig und verwies darauf, dass auch Peters Zunge seit mindestens einem Jahrzehnt dort nicht mehr zugelassen worden sei. Ich trat deshalb nun meinem Plan B näher, sie mit dem von der Natur dafür bestimmten Körperteil zu besuchen. Marlies schwärmte von der Löffelchenstellung, in der sie mit Peter gute Er-fahrungen gemacht habe; ich entzog mich diesem Wunsch nicht und ließ meinen Penis seine Pflicht tun. Um unseren angenehmen Kontakt nicht allzu schnell zu Ende zu bringen, zwang ich mich, kurz an Marianne und ihren Polizisten zu denken, die eine Etage über uns womöglich gerade den Himmel auf Erden erlebten; tatsächlich verlängerte sich mein Liebesspiel dadurch deutlich, die Gefahr, dass Marlies und ich schon eine Dreiviertelstunde vor dem Mitternachtsbuffet im Saal „Così fan tutte“ erscheinen würden, wurde dadurch (mindestens vorübergehend) gebannt. Nach weiteren lustvollen Bemühungen fand sich meiner Geilheit Saft schließlich in dem eingesetzten Kondom wieder, ob sich Marlies Erwartungen erfüllt hatten, vermochte ich nicht zu ermessen.

Ich hatte mir vorgestellt, dass Marlies und ich nun noch ein wenig zum zärtlichen Kuscheln übergehen würden und sie lustvoll die körperliche Nähe eines Steueramtsrats genießen würde, da rief Marlies „Oldenburg“ und bedeutete mir damit, dass ich das Zimmer zu verlassen hätte. Sie wolle sich, so begründete sie ihren Vorstoß, nunmehr ein wenig erholen und für das Mitternachtsbuffet frisch machen. Mir blieb nichts an-deres übrig, als mich hurtig anzuziehen und das Zimmer zu verlassen, gerne hätte ich noch geduscht, aber in Marlies Zimmer galt „Oldenburg“ und in „meinem“ Zimmer war ein hessischer Kriminalkommissar zu Gange.

War es Neugier oder Masochismus, der mich in die zweite Etage trieb, jedenfalls hörte man Mariannes Wollust schon am Ausgang des Treppenhauses, ihr hessisches Abenteuer war wohl erfolgreicher als meine erste intensive Begegnung mit einer Stu-dienrätin. Noch ehe das Mitternachtsbuffet begann, hatte ich drei doppelte Cognacs zu mir genommen: „Wenn einem so viel Schönes wird beschert, …“

Am Rande des Mitternachtsbuffets lösten sich die durch das Los bestimmten Paarungen endlich wieder, Marianne kehrte zu mir zurück und wir schliefen schließlich gemeinsam auf dem Schlachtfeld ein, das Marianne und ihr Lover zurückgelassen hat-ten. Sie offenbarte mir, dass sie im Anschluss an ihr Liebesspiel noch gemeinsam geduscht hätten, an weiteren Details war ich nicht mehr interessiert.

Beim Frühstück schlug ich Marianne vor, dass wir in Zukunft unter Umgehung der Veranstaltung „Sing and Swing“ unmittelbar an die Hilfskasse bayerischer Beamter spenden würden. Marianne antwortete: „… oder an das Rote Kreuz“. Beide Spenden wären in ähnlicher Weise steuerlich absetzbar wie die Beiträge zu „Sing und Swing“, die wir unter beruflicher Fortbildung als Werbungskosten verbuchen werden.

Philipp - Mai 2005