Ein Loblied auf die Impotenz

WEGE 2 - 2011..oder die Kunst des Nicht-Tuns singt Roger Balmer, Landschaftsgärtner und Leiter einer “Liebesschule” im Gemeinschaftsprojekt ZEGG bei Berlin im neuen WEGE-Heft 2/11.

Er möchte seine Geschlechtsgenossen vom Leistungsstress befreien und mit den Freuden eines “gemächlichen Sex” bekannt machen, der kein Viagra braucht und vor allem nicht schnell fertig sein will. Stundenlanges Genießen in echter Verbindung zur Frau, nicht bloß zum inneren Porno (= ich verkürze es mal mit eigenen Worten). Balmer fordert die Öffnung des männlichen Herzens, doch müsse der Mann zuvor erst einmal seine “Herzschwäche” spüren.

Hm… nicht nur bei diesem Text hab ich mich gefragt: WER schreibt da eigentlich für wen?

50plus und 60plus über Frau- und Mann-Sein

Österreichs “größtes Magazin für ganzheitlich denkende und handelnde Menschen” widmet sich in dieser Ausgabe ganz dem Geschlechterthema FRAUEN & MÄNNER. Richtig weiblich? Echt männlich?  Was das hier und heute bedeutet bzw. bedeuten sollte, könnte, müsste – elf Autorinnen und Autoren versuchen sich an einer Antwort.

Ich habe mir mal die Mühe gemacht, zu schauen, wie alt die alle sind: Balmer ist mit 48 Jahren der Jüngste (!), der hier zu Geschlechterbildern etwas schreibt, nur eine weitere Autorin (Christine Haiden) ist mit ihren 49 noch unter 50.  Die 50ger sind dann in Gestalt von Robert Betz, 57 (“Wahre Liebe lässt frei!”) und Ulrike Tourneur (53) glatt doppelt vertreten, fünf weitere Schreiber/innen haben die 60 deutlich überschritten.

Wo bleiben die prä-menopausalen Generationen?

Nö, wohlfeiles Altenbashing liegt mir ferne, denn ich bin selbst der Meinung, dass man als lebenserfahrener Mensch im vorgerückten Alter auch entsprechend viel zu sagen hat. Aber sollte ein Heft mit dem Schwerpunkt “Männer & Frauen” die ganzen hormonell noch aktiveren Jahrgänge einfach auslassen? Die angenehmen Seiten eines “Halbsteifen” können 20plus und 30plus vielleicht gar nicht nachvollziehen und Frau 30plus fühlt sich vielleicht gar nicht überfordert, wenn sie am Tag ein paar Termine wahrnehmen muss und dazwischen mal daheim den Postkasten leert (Ulrike Tourneer kritisiert im Heft die rundum gut organisierte, multitaskingfähige Frau und stöhnt über ihren persönlichen Alltag, der mir aus der Beschreibung heraus nicht besonders überlastet vorkam).

Kurzum:  der Autorenschaft der WEGE fehlt es an Ausgewogenheit quer durch die Jahrgänge. GANZHEITLICH ist das nicht wirklich! :-)

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