Liebe und Beziehung: für Frauen immer noch an erster Stelle?

In der TAZ gab es in den letzten Wochen eine heftige Diskussion: Die sogenannten “Latte-Macchiato-Mütter” standen zur Debatte, die ihr berufliches Fortkommen ganz freiwillig zugunsten von Kind und Familie aufgeben. Und dann nach der Trennung vom gut verdienenden Mann erschreckt feststellen, dass sie sozial quasi “ins Nichts” abgleiten: Endstation Hartz4?

Der Artikel “Schluss mit dem Vergleichen” von Barbara Dribbusch setzt die Diskussion fort mit Überlegungen zu den Auswirkungen der heute sehr viel freieren Wahl zwischen verschiedenen Lebensentwürfen. Einerseits gewinnen Frauen  mehr Selbstverantwortung und Selbstbestimmung, andrerseits entwickeln sich gesellschaftliche Rollenbilder nicht  so schnell weiter.  Insbesondere das Genre der Liebesgeschichten leistet da einen unsäglich konservativen Beitrag:

In Literatur und Filmen ist es für Frauen oft das biografisch Wichtigste, den “Richtigen” zu finden, und das hängt vom Schicksal, vom Zufall ab. Das Genre der Liebesgeschichten lebt davon. Die berechnende, die kontrollierende Frau ist die Böse, während die “Unschuldige” am Ende den Prinzen kriegt.

Und wenn dann ein Kind kommt, bleibt natürlich SIE zuhause und kümmert sich, während der Prinz Karriere macht. Continue reading “Liebe und Beziehung: für Frauen immer noch an erster Stelle?”

Kein Viagra für Frauen – gut so!

Das “rosa Viagra” (Flibanserin),  eine angeblich lustfördernde Pille für die Frau, ist bisher in den USA nicht zugelassen worden – und auch sonst nirgends auf der Welt. Das zuständige Expertengremium fand zu wenig Wirkung bei zuviel Nebenwirkung und sprach sich im Juni gegen die Zulassung aus. Zwar ist das Votum für die Genehmigungsbehörde FDA nicht bindend, doch folgt sie ihm in der Regel.

In den Artikeln, die zum Thema erschienen, wird meist berichtet, dass Pharma-Forscher weltweit nach einem Viagra für Frauen suchen, bisher jedoch ohne Erfolg.  Das bei den amerikanischen Experten durchgefallene Mittel wurde in Deutschland entwickelt, ursprünglich sollte es Depressionen lindern. ZEIT ONLINE fasste den Unterschied der Problematik bei Männern und Frauen recht prägnant in Worte:

Wer als Mann die erektionsfördernde blaue Tablette einnimmt, der “will, kann aber nicht”. Eine Frau, für die Flibanserin infrage kommen könnte, “will nicht” – und hat ein Problem damit.

Wird eine Frau, die nicht will, überhaupt jemals täglich eine Pille einnehmen, um besser “wollen zu können” – und dafür sogar Nebenwirkungen wie Depressionen und Schwindelanfälle? Oder auch “Schläfrigkeit, Erschöpfung, Benommenheit und Angstgefühle”, wie im ZEIT-Artikel angeführt. Woher sollte der Wille dazu kommen? Meist handelt es sich doch nicht um eine abstrakte, allgemeine Lustlosikeit, sondern um mangelndes Begehren in einer real existierenden Beziehung. Und die hat bei Frauen in aller Regel keine medizinischen, sondern eher psychologische Gründe. Continue reading “Kein Viagra für Frauen – gut so!”