Virtuelle Liebe? Über Partnersuche im Internet

Das Thema, das offenbar Millionen bewegt, hat Roland Quant aufgegriffen und in seinem Blog-Beitrag “Diskurs über virtuelle Liebe” eine recht pessimistische Sicht der Dinge zum Besten gegeben: “Es beginnt immer und bei allen mit einer Art nicht akzeptierter Einsamkeit und natürlich mit großen Träumen. Und das Tragische ist, dass weder das Eine noch das Andere im Verlauf einer Nutzerkarriere völlig auszurotten ist, weder Einsamkeit noch Träume kommen zum Verschwinden. Im Gegenteil: Diese Daumenschreiben werden einem in immer neuen Windungen hart in Fleisch gepresst.”

Quant zeichnet das Bild einer “typischen Nutzerkarriere”, die von den hoffnungsvollen Anfängen (oft gleich bei mehreren Partnerbörsen) über exzessive Versuche marktkompatibler Selbstdarstellung und meist enttäuschende Dates hin zur vollständigen Ernüchterung führt. Speziell die “passablen, gebildeten Frauen bis 35” liefen mit ihren hohen Erwartungen, den Märchenprinzen (“reiche junge Karrieremänner mit schnellen Autos”) im Netz zu finden ins Leere. Denn solche Männer hätten es gar nicht nötig, die Umständlichkeiten virtueller Kontakte in Kauf zu nehmen, um Partnerinnen zu finden. Tun sie es dennoch, meinen sie es nicht ernst, sondern wollen sich nur amüsieren und frustrieren damit die Frauen, die ernsthaft suchen. Was wiederum die Frauen in die Arme der Tröster und “Frauenversteher” treibe, die allerdings gerne mehrere gleichzeitig trösten, also Anlass zu weiteren Enttäuschungen bieten.

Das ist nur ein Ausschnitt aus der wenig ermunternden Analyse der “Kontakte-Szene”, in der weder Männer (=wollen nur Sex) noch Frauen (=haben zu hohe Ansprüche oder sind verbittert) gut wegkommen. Meine eigenen Erfahrungen sind da ganz anders, doch mag das auch daran liegen, dass ich nie in Kontaktbörsen auf Suche war, sondern eher beiläufig spannenden Männern begegnete – also bei anderen Aktivitäten im Netz. Wer mag, lese dazu den Beitrag “Liebe per Email” im Digital Diary.