Eifersucht und ihre Folgen: Gespenster

Diese Szene ist im Kurs “Erotisch schreiben” entstanden: ein intensiv erlebter Augenblick, genau beobachtet. Ich danke der Autorin Beatrice für die Erlaubnis, sie hier zu veröffentlichen.

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Du hast einen Sekundenbruchteil zu lang ihre Hand gehalten,
ihr einen Moment zu intensiv in die Augen geschaut.

Du weißt nicht, dass ich schon da bin. Ich bin extra früher gekommen, weil ich Dich überraschen wollte. Nun ist mir so gar nicht mehr nach Überraschung.

Augenblicklich bricht mir kalter Schweiß aus, ich beginne zu zittern. Meine Ohren fangen an zu klingeln, Presslufthämmer dröhnen in meinen Schläfen, vor meinen Augen beginnt es sich zu drehen. Mir wird ganz schwach zumute, meine Knie drohen nachzugeben. Mein Herz fällt lautlos schreiend in einen bodenlosen Abgrund. Meine Innereien ballen sich zu einem riesigen Gesteinsbrocken zusammen.
Diesen möchte ich aufnehmen und über euch zerschmettern …

Tief durchatmen!

Meine Sicht wird klarer, mein Herz schlägt an seinem gewohnten Platz. Ich erkenne, dass ihr schon längst harmlos miteinander plaudert. Eure Körperhaltung verrät nichts über eine besondere Vertrautheit. Im Gegenteil, ich bemerke, dass Du nicht mal richtig bei der Sache bist. Immer wieder schweifen Deine Blicke zum Eingangstor.

Du vermisst mich!

Ich spüre den Sonnenschein auf meiner Haut. Wärme durchdringt die Eiseskälte, die mich kurzzeitig erfasst hatte. Ich fühle meine Hände, sie hatten sich schmerzhaft zu Fäusten verkrampft. Die Stimmen um mich herum und das Gläserklirren kehren zurück.

Ich schüttele mich ein wenig, schüttele die Gespenster der Vergangenheit ab, die mal wieder versucht hatten, mich in die Hölle ihrer Gefangenschaft zu nehmen.

Noch dreimal ruhig in den Bauch atmen. Liebe durchströmt mich.

Ich lächle und gehe auf Dich zu.

© Beatrice – Juni 2006

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