1. Juni 2013
Mal wieder: Offene Beziehung in der Diskussion
Auf Kleinerdrei ist gerade ein schöner, tief schürfender Gastartikel erschienen - mit dem leicht provozierenden Titel:
“Jede so, wie sie will?“ oder: „Alles kann, nichts muss“? – Warum ich eine offene Beziehung lebe.”
Die Autorin ist Annika, 23, die hier für die offene Beziehung eine Lanze bricht und ein wenig gegen die überwältigende Dominanz der Monogamie-Kultur anstinkt, die auch im 21. Jahrhundert noch massiv über die Medien (insbesondere TV-Serien) als quasi das einzig Wahre und Gute, Richtige und Wünschenswerte tradiert wird.
Sex wird grotesk überschätzt?
Zum Kernpunkt des monogamen Paradigmas, der sexuellen Exklusivität, schreibt sie:
“Mich dagegen irritiert, wie sehr körperliche und sexuelle Treue als Hauptkriterium für das Fortdauern und Gelingen einer Beziehung eingesetzt werden. Je länger ich ein alternatives Beziehungskonzept lebte, desto seltsamer und teilweise grotesker erschien mir die Wichtigkeit, die der Monogamie als Organisationsprinzip einer Beziehung beigemessen wird. Als Trennungsgrund schlechthin gilt nach wie vor die körperliche bzw. sexuelle Untreue der Partner_innen – viele Beziehungen zerbrechen an Treueerwartungen, die von einer_einem oder beiden nicht eingelöst werden können; sexuelle Treue wird mit Vertrauen gleichgesetzt, welches irreparabel beschädigt ist, wenn dieses gebrochen wird. Das ehemalige Vertrauen wird durch Eifersucht und verletzte Ehre ersetzt, die ein Weiterführen der Liebesbeziehung unmöglich machen und auch eine anschließende Freundschaft der beiden nun Ex-Geliebten erschwert bzw. oft vereitelt. “
Dem kann ich mich nur anschließen! Mir hat es lebenslänglich missfallen, dass mit der klassischen Paarbildung stets das sexuelle “Treue-Gebot” einher geht - selbst dann, wenn keinerlei Absichten in Richtung Familiengründung, Kinder, Elternschaft etc. bestehen. Ganz persönlich hab’ ich mich dem verweigert, indem ich niemals dieses “Versprechen” abgab, sondern stets deutlich machte, dass ich mich weiterhin als freien Menschen betrachte, der auch mit anderen Sex und Nähe erleben kann und will, wenn sich das so ergibt.
Natürlich erntet Annika viel Widerspruch: Ex-und-Hopp-Mentalität, Konsumverhalten. Bindungsunfähigkeit - und was ist, wenn Kinder kommen? Diese Kritik geht immer davon aus, dass es nur schwarz und weiß gibt: entweder die monogame Beziehung ODER ein verantwortungsloses Herumvögeln. Wie man darauf kommt, verstehe ich nicht! Annikas Artikel und ihre Kommentare zeigen deutlich, dass es ihr nicht darum geht, lediglich vielerlei Sexkontakte zu haben - aber das wird wie immer in solchen Diskussionen einfach nicht ernst genommen.
Und Kinder? Daran denkt Annika noch nicht - warum sollte sie also ihr Beziehungsverhalten so ausrichten, als wäre sie bereits auf dem Weg, Mutter zu werden? Auch die Vorhaltung, sie riskiere, im Alter alleine auf der Couch zu sitzen, tropft an ihr ab. Zu Recht, wie ich finde, denn viele Frauen überleben ihren Partner, sind also im hohen Alter sowieso oft alleine. Sofern sie nicht im Lauf des Lebens auch andere Beziehungen und Freundschaften aufgebaut haben, die - ob man mal zusammen Sex hatte oder nicht - die Zeiten überdauern.
10. April 2013
Frühling 2013: Zur “Knutschverbot-Debatte”
Natürlich gibt es kein “Knutschverbot” und ein solches wird auch nicht gefordert. Wohl aber gibt es den Wunsch bzw. die Forderung aus der Netz-feministischen Ecke, man solle sich als Hetero-Paar in der Öffentlichkeit besser jeglicher Zärtlichkeiten enthalten. Denn öffentliches Schmusen, Küssen, Händchen halten zementiere die “hetero-sexistische Norm” zu Lasten anders Liebender, die sich nicht so verhalten könnten, da sie als Schwule, Lesben, Transmenschen oder Drittgeschlechtliche stets Diskriminierungen befürchten müssen.
In einem ausführlichen Artikel zur Debatte (Hat jemand “Knutschverbot” gesagt?! – Critical Hetness 101) schreibt Anna-Sahra bei der Mädchenmannschaft:
“Selbst, wenn in der konkreten Situation vielleicht keine konkrete Gefährdung, aktive Ausgrenzung oder exotisiertende Kommentierung befürchtet wird – aber Diskriminierung ist mehr als verbale oder physische Gewalt. Mit meiner Hetero- und Paarperformance nehme ich anderen Ausdrucksformen und Beziehungsweisen den Raum. Auch wenn ich das gar nicht will. Auch, wenn ich “alternative” Beziehungsformen gut finde oder gar lebe, ich mich selbst gar nicht als hetero verorte, Paarsein mir doch gar nicht so wichtig ist und_oder ich mich gegen Homophobie und Heterosexismus engagiere. Und auch, wenn ich das nicht hören will.”
Sowohl im langen Artikel als auch in den meisten Kommentaren scheint ein Konsens zu herrschen, der da lautet: “Die Hetero-Norm ist abzuschaffen, denn anders Liebende werden durch ihr bloßes Dasein schon ausgeschlossen”. Das ist ein radikaler Ansatz, der aus Minderheiten-Sicht verständlich ist, sich m.E. aber niemals gesamtgesellschaftlich durchsetzen wird. Jedenfalls nicht, so lange die große Mehrheit heterosexuell ist, so fühlt und so lebt.
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3. Januar 2013
Blissfull Bondage: Tantrische Fesselmassage für Einsteiger
Bondage, das lustvolles Fesseln im erotischen Kontext ist heute nichts Abseitiges mehr, sondern eine anregende Spielart, die immer mehr Paare für sich entdecken. Sei es der Aspekt der Macht, der Geborgenheit, der sinnlichen Erfahrungen oder auch der kunstvollen Inszenierungen: damit ein solches Spiel gelingt, reicht es nicht, mal eben eine Wäscheleine um das geliebte Wesen zu schlingen und “irgendwie” zu verknoten. Ganz im Gegenteil: der Teufel lauert im Detail und man muss sich schon ein wenig auskennen und wissen, was man tut, damit es nicht zu unschönen Unfällen oder gar Verletzungen kommt.
Eine gute Idee für Einsteiger ist es, zunächst einen der vielen Bondage-Workshops zu besuchen, die vornehmlich in großen Städten angeboten werden. Zusätzlich gibt es mittlerweile auch Lehr-Medien, die Interessenten in die Fesselkunst einführen - z. B. die DVD “Blissfull Bondage” von Laura Media, die mir für eine Besprechung zur Verfügung gestellt wurde.
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12. September 2012
Adam spricht: Männer bloggen über Sex, Erotik, Beziehung
Meist sind es ja mehr Frauen, die über ihr Sex- und Liebesleben bloggen. Umso interessanter, wenn ich mal einen bloggenden Mann im Web entdecke, der nicht nur schöne Bilder nackter Haut postet, sondern auch eloquent über Erotisches oder gar das Liebes- und Beziehungsleben insgesamt schreibt.
Hier nun ein paar von Männern geschriebene Blogs, die ich Euch empfehlen will:
- Adam spricht es aus - was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen. Adam verführt durch knackige, oft provozierende Überschriften und Tabu-Themen kennt er eher nicht.
- Nouniouce - Leben mit Lust und Leidenschaft. Der Autor schreibt über sich: “Als Nouniouce getraue ich mich an meine Grenzen und über meine eigene Grenzen hinaus, vor allem was meine sexuellen Aspekte betrifft.” Auch richtig schöne erotische Fotos finden sich bei den Artikeln, deren Texte tatsächlich oft die Leidenschaften von “Nouniouce” mitfühlen lassen.
- X-Zone - Niveauvolles rund um Sex und Erotik - mehr Magazin als Blog, mit Flirt-Tipps und Sexratgeber;
- Gedanken und Gefühle - Nicht alltägliche Geschichten, die mich verwirren und erstaunen - Notos schreibt weniger über Sex, aber viel über Gefühle, Beziehung, Abenteuer und andere Verwirrungen;
- Mein Singlebuch - Augenblicke, Erlebnisse und die Gedanken eines Single-Mannes… - Micha ist 35 und lebt in der Schweiz. Wirft sich hinein “in die Welt der Suchenden. Auf Single-Websites, Single-Partys, Speed-Dating, Inserate, einfach alles was sich so anbietet”, und hofft auf seine große Liebe. Viel Glück!
Weitere Tipps gerne in den Kommentaren!
31. Juli 2012
Fragmentarisierung: Loch, Nippel, Pimmel, Loch
Eine lesenswerte Rezension des Buches “Der Tanz um die Lust” von Ariadne von Schirach findet sich seit gestern auf dem Feigenblatt-Magazin. Die Autorin Therasa meint, das Buch gehöre in jeden guten Haushalt. Es geht darum um die Zerstückelung bzw. Fragmentierung des Körpers in der zeitgenössischen Pornografie (aber nicht nur dort!).
Zitat:
Loch, Loch, Nippel, Pimmel, Loch. Um Lust, oder sagen wir mal zumindest Sex, filmisch sichtbar zu machen, bedienen sich Mainstreampornos einer simplen Ästhetik: sie filmen einfach dort drauf, wo man´s nun mal offiziell am besten sehen kann.
Dadurch geht es nicht mehr um die Körper an sich. Oder um die Menschen, die dort Dinge miteinander anstellen. Es geht um: Loch, Loch, Nippel, Pimmel, Loch. Es geht nicht um Gefühle, und um die soll es auch gar nicht gehen. Es geht um diese bestimmte Ästhetik, die da sagt: Loch: stopfen. Es ist ein Konzept für eine Gesellschaft mit großem Abstrahierungswillen, und woher der kommt, ist verständlich: wär ja auch schließlich schön, wenn alles so einfach wär.
Eine originelle Idee: fragmentierte Körperteile, weil das einfacher und übersichtlicher ist als komplexe Gefühle und nicht immer einfache Beziehungen. Vermutlich liegts aber mehr an der Schlichtheit männlichen Begehrens, das sich von derlei Anblicken simpel und verlässlich erregen lässt.
18. Mai 2012
Den Partner fragen, ob er Sex mit Anderen gestattet?
Unter dem Titel “Fragen wird man ja noch dürfen” (Teil 1, Teil 2) hat sich auf dem Blog von Karin Koller eine interessante Diskussion ergeben. Soll man den Partner fragen, wenn man Lust auf einen “beziehungsfremden” erotischen Kontakt hat? Oder es lieber lassen, wenn man ahnt, dass er im Grunde gerne ablehnen würde?
Die Gast-Bloggerin IloveAmandaBrown schreibt in Teil 1, sie wünsche sich länger schon, mit einer Frau zu schlafen, weil sie einfach gerne die Erfahrung machen würde, wie das ist. Dann lernt sie sogar eine Frau kennen, mit der es möglich wäre, eine echte erotische Spannung entsteht, die Gelegenheit wäre da. Und ihr kommt die Idee, ihren Partner anzurufen und zu fragen, ob er etwas dagegen hätte.
Aber sie beschließt dann doch, ihren Partner gar nicht erst zu fragen, weil er “aus den falschen Gründen” zustimmen könnte. Und hakt ihren Wunsch ab: “Life goes on”, schreibt sie. Den ganzen Beitrag lesen »
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